Lingnerschloss: Zukunft im Dialog

Wie geht es mit dem Lingnerschloss weiter? Was bleibt, was verändert sich – und wie lässt sich der öffentliche Charakter des Hauses mit einer wirtschaftlich tragfähigen Zukunft verbinden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 20. August das 1. Lingner Forum. Auch der Tourismusverband Dresden e. V. war vor Ort.

Nur wenige Wochen vor der anstehenden Entscheidung des Dresdner Stadtrates trafen im Lingnerschloss Vertreter der vorgesehenen Betreiber, der Insolvenzverwaltung, des Fördervereins sowie Akteure aus Kultur, Politik und Stadtgesellschaft aufeinander. Moderiert wurde der Abend vom Dresdner Journalisten Carsten Golke.

Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Vergangenheit des Hauses als die Frage, wie einer der besonderen Kultur- und Ausflugsorte Dresdens langfristig erhalten und zugleich wirtschaftlich tragfähig betrieben werden kann.

Zwischen öffentlichem Auftrag und wirtschaftlicher Realität

Die Unternehmer Thomas Bohn und Oliver Kreider stellten ihr Konzept für die künftige Entwicklung des Lingnerschlosses vor. Der Insolvenzverwalter hat mit beiden bereits einen notariellen Vertrag über die Übernahme des Erbbaurechts für 1,65 Millionen Euro geschlossen. Wirksam wird dieser allerdings nur, wenn der Dresdner Stadtrat zustimmt.

Bohn und Kreider betonten mehrfach, das Lingnerschloss nicht privatisieren oder der Öffentlichkeit entziehen zu wollen. Bestehende Kulturformate wie Führungen, Kino, Lesungen oder Musikveranstaltungen sollen gemeinsam mit dem Förderverein fortgeführt und um neue Angebote ergänzt werden.

Neben dem Kaufpreis wurden auch erhebliche weitere Investitionen in den Erhalt und die Weiterentwicklung des Ensembles angekündigt. Einnahmen aus Gastronomie, Veranstaltungen und weiteren Nutzungen sollen dazu beitragen, den laufenden Betrieb und notwendige Investitionen langfristig zu finanzieren.

Deutlich wurde an diesem Abend zugleich: Ein solches Haus lässt sich nicht allein über kulturelle Veranstaltungen wirtschaftlich betreiben. Versicherungen, Instandhaltung, technische Anlagen und weitere laufende Verpflichtungen verursachen erhebliche Kosten. Genau darin liegt eine der zentralen Herausforderungen für jedes künftige Betreibermodell.

Förderverein soll wichtige Rolle behalten

Eine besondere Bedeutung kommt dem Förderverein Lingnerschloss e. V. zu. Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren sich dort zahlreiche Dresdnerinnen und Dresdner für Sanierung, öffentliche Zugänglichkeit und kulturelle Nutzung des Hauses.

Nach Angaben beim Forum wurden bereits große Teile des Ensembles saniert. Mehr als 200 Veranstaltungen fanden allein im vergangenen Jahr statt. Für die vorgesehenen Betreiber ist die weitere Zusammenarbeit mit dem Verein ausdrücklich Bestandteil ihres Konzeptes. Vereinbarungen dazu sollen zusätzlich rechtlich abgesichert werden.

Auch aus dem Förderverein selbst wurde deutlich, dass neben dem Erhalt bewährter Formate künftig neue Zielgruppen erreicht werden müssen. Gerade jüngere Besucherinnen und Besucher stärker für das Lingnerschloss zu gewinnen, gehört zu den Aufgaben der kommenden Jahre.

Entscheidung noch offen

Die Diskussion findet allerdings vor einem weiterhin offenen politischen Entscheidungsprozess statt.

Neben Bohn und Kreider hat sich inzwischen eine zweite Gruppe Dresdner Unternehmer mit einem alternativen, gemeinnützig ausgerichteten Modell um das Lingnerschloss positioniert. Nach Medienberichten bietet diese Gruppe 1,7 Millionen Euro für das Erbbaurecht und will das Schloss über eine Fördergesellschaft dauerhaft öffentlich und bürgerschaftlich orientiert betreiben.

Damit stehen für die Zukunft des Lingnerschlosses mehrere Wege zur Diskussion: die Übertragung des Erbbaurechts an Thomas Bohn und Oliver Kreider, eine Lösung mit der zweiten Bietergemeinschaft oder eine Übernahme durch die Stadt mit anschließender Neuordnung des Betriebs.

Die Entscheidung ist für den 3. September 2026 vorgesehen.

Ein Thema auch für den Tourismusstandort Dresden

Für die Dresdner Tourismuswirtschaft ist die Debatte aus einem weiteren Grund relevant.

Das Lingnerschloss ist weit mehr als eine Immobilie am Elbhang. Gemeinsam mit Schloss Albrechtsberg und dem Eckberg prägt es einen der markantesten Bereiche der Dresdner Kulturlandschaft. Kulturangebote, Gastronomie, Veranstaltungen und der öffentlich zugängliche Park schaffen Aufenthaltsqualität und Besuchsanlässe für Einheimische ebenso wie für Gäste der Stadt.

Gleichzeitig bietet das Ensemble Potenzial für Veranstaltungen, Empfänge und ausgewählte Business Events – und damit auch für den Tagungs- und Kongressstandort Dresden.

Das 1. Lingner Forum hat vor allem eines gezeigt: Die Frage nach der Zukunft des Schlosses lässt sich nicht auf „öffentlich oder privat“ reduzieren. Entscheidend wird sein, wie öffentliche Zugänglichkeit, kulturelle Nutzung, bürgerschaftliches Engagement und eine dauerhaft tragfähige Finanzierung miteinander verbunden werden können.

Der TVDD wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen.

Weiterführende Informationen:

Weitere Informationen zu den beiden aktuell diskutierten Betreiber- bzw. Bieterkonzepten finden Sie hier:

Bietergruppe Thomas Bohn / Oliver Kreider
Betreiberkonzept und Informationen zum Lingner Forum:
https://www.lingner-forum.de

Bietergruppe „Ein Schloss für alle“
Informationen zum gemeinnützig und bürgerschaftlich ausgerichteten Konzept:
https://lingnerschloss.org

Förderverein Lingnerschloss e. V.
Informationen zur bisherigen Arbeit des Fördervereins und zum Lingnerschloss:
https://www.lingnerschloss.de

Foto: © meeco Communication Services

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